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Bürgerinitiative Kelsterbach -
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Kelsterbach wach auf (Presseerklärung der Bürgerinitiative Kelsterbach vom 11. August 2010)

Wie jüngst aus Kreisen der Stadt zu hören war, ist der Entwurf für den Grundstückskauf- und Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Kelsterbach und der Fraport AG auf einem guten Wege, der Entwurf sei fast fertig. Die Aushandlung eines solch weit reichenden Vertrages, für den das Eckpunktepapier die Grundlage bildete, wurde in der ersten Version von 63 % der Kelsterbacher im Bürgerentscheid vom Juli 2009 abgelehnt. Ungeachtet eines so deutlich formulierten Bürgerwillen wurde eine fortgeschriebene, kaum veränderte Fassung, Anfang dieses Jahres mit allen Stimmen (außer der WIK) durch das Stadtparlament verabschiedet. Wir erinnern uns deutlich, wie Herr Zeller (SPD) mehrfach verkündete, der Bürgerentscheid habe NICHT die notwendige Mehrheit erhalten. Bei einer solchen Interpretation von Mathematik in unserer Stadt soll es demnach auch nicht verwundern, wenn der im Eckpunktepapier verabschiedete Endpreis bereits in Beton gegossen war, noch bevor überhaupt festgestellt wurde, wie die Vielzahl von differenzierten Grundstücken bewertet werden. Wir erinnern an dieser Stelle daran, dass der hier vereinbarte Preis für die Flächen nach Planfeststellungsbeschluss, also den von der Enteignung betroffenen Flächen der neuen Landebahn, in dieser Version nur noch mit 8-10 Mio Euro angesetzt wurden, das ist etwa die Hälfte der von einem vereidigten Gutachter geschätzten Summe.

Nun war man in Kelsterbach in der misslichen Situation, dass zur Verschleierung des gravierenden Haushaltsdefizits, die vereinbarte Kaufsumme bereits im Dezember, also VOR Verabschiedung dieser Absichts-Erklärung, im Haushalt eingeplant wurde. Ein Scheitern der Eckpunkte war also von Seiten der Stadt Kelsterbach kaum möglich - Eine schlechte Verhandlungsposition gegenüber dem Flughafenbetreiber, der ohne diese freiwillige Vereinbarung das in der Geschichte Deutschlands größte Enteignungsverfahren hätte anstreben müssen.

Zudem versprach Bürgermeister Ockel angesichts der Tragweite dieses Vertrages, Gruppierungen wie etwa die Initiatoren des Bürgerbegehrens mit in die Verhandlungen einzubinden. Die CDU verkündete durch ihren Fraktionssprecher, übrigens ein Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Vertragsrecht, sollte sie nicht in die Verhandlungen mit eingebunden werden, werde sie bei der Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung mit 'Nein' stimmen.

Es ist Zeit für Kelsterbach, die Augen zu öffnen: Seit geraumer Zeit ist das extrem lautstarke Abbremsen auf den Rollbahnen mit Gegenschub der Triebwerke verboten. Lärmmessungen offenbaren, dass dies leider ungemindert praktiziert wird. Von wirksamen Kontrollinstanzen ist weder in dem vor kurzem vorgestellten Anti-Lärm-Paket, noch im Rahmen des zukünftigen Nachbarschaftsvertrag zu hören, dabei hat dieser Punkt für Teile Kelsterbachs nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn extreme Brisanz. Nicht besser steht es um die nächtlichen Triebwerk-Probeläufe, die nach wie vor einen Großteil des hier auftretenden Lärms ausmachen.

Zudem zeichnet sich ab, dass die Flugzeuge, die nach dem Landen aus eigenem Antrieb über die Autobahn auf das Flughafengelände zurückkehren müssen, aus wirtschaftlichen Gründen fast ausschließlich über die östliche Rollbrücke (im Taubengrund) fahren werden, was für Kelsterbach vermeidbaren, zusätzlichen Lärm bringen wird.

Doch statt diese wichtigen lokalen Belange einzufordern, sitzt Bürgermeister Ockel der «Expertengruppe Aktiver Schallschutz» vor, einem Gremium, mit dem das «Forum Flughafen und Region» den Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet erträglich machen will. Fluglärmexperte Berthold Fuld bezeichnet die sieben Maßnahmen, die das Gremium erarbeitet hat, als Mogelpackung, mit denen bestenfalls eine Umverteilung des Lärms erreicht werden könne. Zwei der vorgestellten Punkte, nämlich ein vermehrter Anflug aus Osten und die angestrebte vertikale Optimierung, mit dem die Jets nach dem Abheben steiler nach oben steigen, bringen für Kelsterbach definitiv mehr Lärm.

Kelsterbach, wach auf, sonst ist an Schlaf kaum mehr zu denken.